Anstatt über unsere Reiseerfahrungen in Kambodscha zu
berichten, hier ein kurzer Bericht zu Kambodscha bzw. die Geschichte dieses
extrem armen und korrupten Landes. Laut unserem Reiseführer kann man diese auch
als „The Good, the Bad and the Ugly“ zusammenfassen.
„Good“, das war die glorreiche Vergangenheit, das
Khmer-Reich, das vor über 1000 Jahren hier gegründet wurde und weite Teile
Südostasiens beherschte. Die Khmer, die die größte Bevölkerungsgruppe in
Kambodscha darstellen, blicken heutzutage noch mit Stolz auf diese Zeit zurück.
Sinnbild hierfür sind die Ruinen der Templelanlagen von Angkor Tom und AngkorWat, die während der ca. 600 Jahre lange dauernden Geschichte dieses Reiches
entstanden.
Angkor Wat ist auf der Flagge Kambodschas zu sehen, jeder
Geldschein hat Angkor Wat als Symbol und sogar das größte Bier heißt hier
Angkor Wat.
An unserem ersten Tag besichtigten wir das „Heilgtum“ dieses Landes.
Alle folgenden Fotos zeigen die gewaltigen Bauwerke,. Von Sonnenaufgang morgens
um 5:30 am Haupttempel Angkor Wat bis zum späten Nachmittag zogen wir uns einen
Tempel bzw. eine Ruine nach der anderen rein und kamen aus dem Staunen nicht
mehr heraus. Der Titel „8. Weltwunder“ scheint völlig gerechtfertigt, wenn man
betrachtet, dass eine so alte Zivilisation mitten im Urwald solche Bauwerke
errichtete, die nach dem Untergang des Khmer Reiches über Jahrhunderte
unentdeckt blieben. Gerade dieser Aspekt machte diesen Ort noch magischer, denn
die Natur nahm dafür ihren Platz ein. Beeindruckende Bilder waren überall zu
sehen, Bäume, die durch ihr Wachstum Mauern zum Einsturz brachten und riesige
Steine unter sich begruben, Pflanzen, die jegliche Teile der Tempel bedeckten
und Fledermäuse, die in jeder dunklen Ecke hausten. Der Tag, an dem wir bei
extremer Hitze mit dem Taxi alle Tempel entlang fuhren forderte uns sowohl
physisch und psychisch vieles ab, trotzdem der absolute Wahnsinn…
Mit dem Untergang des Khmer-Reiches begann allerdings der „Bad“
bzw. schlechte Teil der Geschichte, denn die folgenden Jahrhundet bis nahezu in
die Gegenwart wurde Kambodscha von fremden Nationen beherrscht und unterdrückt.
Erst die Thais und die Vietnamesen, zu denen die Leute hier noch immer ein sehr
angespanntes Verhältnis haben (O-Ton Taxifahrer: „Seid vorsichtig im Süden,
dort rennen viel Vietnamesen rum, die klauen eure Sachen). Im letzten
Jahrhundert dann die Franzosen und letztendlich wurde Kambodscha ähnlich wie
Laos in den Vietnamkrieg mit einbezogen, inklusive Flächenbombardements,
zahlreiche Minen sowie CIA Intrigen, die zum Sturz der neutralen Regierung
führten.
Und hier begann der „Ugly“ Teil der Geschichte des Landes
mit der gewaltsamen Übernahme der „Roten Khmer“, der Kommunisten, die von 1975
bis 1979 eine vierjährige Schreckensherschaft begannen.
Was in diesen vier jahren passierte, kann nur unter dem
Attribut schrecklich zusammengefasst werden. Hier eine kurze Zusammenfassung
der Ideen bzw. der Ideologie, einer extremen Auslegung des Kommunismus.
Symbole des Verbrechens war unter anderem ein ehemaligeGefängnis, an dem die Leute zu „Geständnissen“ gezwungen wurden um
dann anschließend auf den „Killings Fields“ erschlagen zu werden.
Der gleichnamige Film aus dem Jahr 1984 fasst diese Ereignisse
sehr beeindruckend zusammen, der erst dazu führte, dass der Westen überhaupt
etwas über diese Jahre erfuhr.
Da wir uns nach den Erfahrungen in Angkor Wat nach Strand sehnten
ließen wir die Besichtigung dieser zwei Orte aus, was sich im Nachhinein
vielleicht als Besser herausstellte, denn, so berichteten uns andere Reisende,
die Aufarbeitung der Ereignisse ist in Kambodscha doch etwas anders als in
Europa. Auf den Killing Fields kann man noch immer tausende von Schädeln und
Skelette begutachten, die teilweise aufeinandergetürmt „ausgestellt“ wurden…
Naja, mittlerweile ist diese dunkle Kapitel Vergangenheit,
aber es fällt halt auf, wenn man durch das Land reist. Heutzutage ist das Land
zwar offiziell eine Demokratie, die jedoch seit über 20 Jahren von derselben
Partei regiert wurde… Angeblich sind auch immer noch Teile der ehemaligen Elite
in die Regierung involviert. Eine Aufarbeitung der Ereignisse der Diktatur hat
es erst in den letzten Jahren gegeben, der ehemalige Diktator Pol Pot starb in
Kambodscha eines natürlichen Todes. Im Korruptionsindex liegt Kambodscha auf
Platz 3 weltweit, was sich für uns auf beinahe jeder Taxifahrt, vielen
Einkäufen und besonders beim Grenzübertritt (38 $ statt der offiziellen 20 $) bemerkbar
macht. Ob sich das Land in eine vernünftige Richtung entwickelt, ist sehr
zweifelhaft. Die Insel, auf der ich dies gerade schreibe, wurde für 200 Millionen
Dollar an russische Investoren verkauft. Angkor Wat, das Nationalsymbol, ist in
Besitz einer vietnamesischen Gesellschaft und in den Städten fahren teilweise modernere
Autos als in Europa, in einem Land, wo 70 % der Leute von 2 Dollar am Tag
leben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen