Nach einer längeren Tagesbusfahrt waren wir „endlich“ wieder
zurück in der indischen Zivilisation. Motorenlärm, Kühe, Geruch, Rikshahs,
Belästigungen, Chaos… alles hatten wir wieder. Schon komisch nach fast 2 Wochen
in eher westlichen bzw. ruhigeren Plätzen Indiens. Amritsar war fast wie ein
neuer Kulturschock. Der Verkehr schien teilweise sogar noch dichter bzw.
rücksichtsloser zu sein als in den Städten zuvor… Egal, wir waren ja schon
resistent ein wenig von den Erfahrungen zuvor.
Amritsar ist aufgrund des „Goldenen Tempels“ die Hauptstadt
der Sikhs, einer Religion, die eine Mischung aus Hinduismus und Islam
darstellt. Man erkennt die Sikhs daran, dass alle Männer mit stilvollen
Turbanen durch die Gegend laufen, und das tat in Amritsar nun mal fast jeder
Zweiter. Nach unserer Ankunft erfuhren wir direkt, dass am „Goldenen Tempel“
ein Fest zugunsten eines berühmten Sikhs inklusive Feuerwerk sei, also ab in
die Stadt und zum Tempel. Die bereits vollen Straßen stopften sich vorm Tempel
immer weiter zu und gut 500 m vorher war der Weg ein pures Chaos. Irgendwie
schafften wir es aber ein kleines Restaurant mit Blick in Richtung Goldenen
Tempel aufzutreiben, das uns typisches Punjab-Essen verkaufte. Punjab ist der
Bundesstaat der Sikhs und das Essen dort extrem fetthaltig. Was wir bekamen war
gefettetes Brot (mit Butter) zwei extrem fettige Saußen und einen Burger,
dessen Brot komplett durchfettet war… hat trotzdem supergut geschmeckt, auch
wenn ich bis zum nächsten Mittag dann nichts mehr brauchte… Achso Feuerwerk
gabs dann auch noch!
Am nächsten Tag dann noch einmal Innenstadt Amritsar und auf
genauere Erkundungstour zum Goldenen Tempel, der sich als wahrhaft riesig
herausstellte. Auf dem rieisigen Innenhof innerhalb weißer Mauern stand der Tempel
innerhalb eines künstlichen Sees in dem die Sikhs sich badeten bzw. reinwuschen.
Angeblich sollen im Tempel 750 kg Gold verbaut sein. Während unseres
2-stündigen Rundgangs kamen wir auch an einer riesigen Essenshalle vorbei und
bevor wir uns versahen hatten wir schon Teller und Löffel in der Hand. Im
Nachhinein erfuhren wir, dass täglich über 30.000 Mahlzeiten bereit gestellt
wurden – und das alles umsonst mit Hilfe von Freiwilligen.
Nachdem uns der Tempel im positiven Sinne umgehauen hatte,
fuhren wir weiter zum nächsten Highlight – der indisch pakistanischen Grenze,
die nur 30 km entfernt war. Da es sich um den einzigen Grenzübergang zwischen
den beiden verfeindeten Ländern handelte (4 Kriege in 60 Jahren und erst vor
einigen Tagen ein paar Schusswechsel an einem anderen Grenzstreifen), war die
Grenze natürlich etwas besonderes, nicht nur für uns, sondern ganz Besonders
für die Inder selbst – denn jeden Abend wurden die Flaggen der beiden Ländern
gesenkt, was natürlich nicht ohne entsprechende Parade geht – aber ein solches
Spektakel hätten wir nicht erwartet…
Der ganze Spaß erinnerte mehr an ein Fußballspiel zwischen
zwei Ländern. Vor der Grenze konnte man sich indische Flaggen kaufen bzw. sich
diese aufs Gesicht malen lassen. Am Ort dann eine riesige Tribüne voll mit
Indern (sowie etwas weiter in Richtung Grenztor Stühle und bessere Plätze für
Europäer und andere VIPs). Pünktlich nach Ankunft ging das Spektakel dann los.
Eingeheizt wurde das Publikum durch extrem übermäßig laute indische Popmusik (die
im Übrigen genauso schlecht ist wie Popmusik aus dem Rest der Welt). Vor den
Tribünen tanzten überwiegend indische Frauen, während Mädchen mit indischen
Flaggen unter tösenden Applaus zum Grenztor und zurück rannten. Und das war nur
die eine Hälfte – auf pakistanischer Seite spielte sich dieganze Show wahrscheinlich genauso ab, auch
wenn wir natürlich nichts sahen, da die andere Seite entfernter war als jeder
andere Platz in Indien… Aber das war erst das Vorspiel…
Pünktlich zum Sonnenuntergang begann dann das Schauspiel,
das sich über ungefähr eine Stunde hinzog. Bevor ich jetzt noch mehr schreibe,
guckt lieber das Video, das ich auf Youtube gefunden habe – wer die Monty
Pythons kennt, weiß genau, wo sich sowohl die indischen als auch pakistanischen
Soldaten haben inspirieren lassen, selten so gelacht…
Nach dem riesigen Spektakel gings dann im Schlafbus mit
super ungemütlichen dreckigen und engen Betten nach Delhi, wo wir dann gegen
6:00 von einem widerlichen Geruch (wahrscheinlich vom Fluss nebenan) geweckt
wurden – ab in die nächste und letzte indische Stadt für uns Beide. Delhi ist
unterteilt in Old Delhi und New Delhi. Old Delhi ist wie man sich denken kann
der dreckigere und hektischere Part der Stadt, den wir an Tag 1 hinter uns
brachten. Da wir den 11.10. zu unseren Hochzeitstag erkundet hatten (es gibt ja
eigentlich 4 Möglichkeiten dafür…), gingen wir abends ganz gemäß Tradition fein
Essen, was im Vergleich zu europäischen Verhältnissen saubillig, im Vergleich
zu zuvor jedoch um einiges teurer war – und danach ab ins Kino – Bollywood !
Obwohl wir kein Wort Hindi verstanden, verstanden wir den
Film „Bang Bang“ dennoch perfekt. Und ich muss sagen, vergesst Schwarzenegger
und Stallone, die indische Variante ist um einiges besser – wenn man mal von
den billigen Special-Effects absieht. Habe unterhalb auch nen Trailer des genialen
Films gepostet. Naja, was soll ich sagen, der Film lässt sich wie eigentlich
alle Bollywood Filme in keine Kategorie einordnen – eine Mischung aus Action,
Comedy, Romanze, Drama, Musical (es gibt Leute, die nur für die Tanzeinlagen
ins Kino gehen). Wer noch keinen Bollwood Film gesehen hat, einfach mal nach
suchen, es werden im Jahr mehr Filme produziert als in Hollywood – die Inder
sind verrückt nach solchen Filmen…
Unserem letzten Tag verschrieben wir den neuen Teil Delhis.
Bereits nach unserer ersten Attraktion hielt uns ein Taxifahrer an, der uns für
100 Rupies (1,20 Euro) durch halb Delhi fahren wollte unter der Bedingung, dass
wir in einen Souvenirshop hineinschauten. Naja, aus einem Shop wurden
letztendlich drei und bevor er uns an der letzten Attraktionen rauslassen
wollte, fragte er dann, ob wir noch einen Shop sehen würden – 10 Minuten später
war die Taxifahrt dann komplett umsonst und uns war klar, warum wir in all die
Läden sollten, naja, immerhin mussten wir nichts kaufen und uns lediglich den
nervigen Leuten im Laden ergehen lassen, was uns fast super gelang. Trotzdem,
komische Geschäftspraktiken, die die Leute hier vollführen. Abends geht es dann
2400 km zurück nach Dubai und dann ein paar 1000 Kilometer weiter in Richtung
Bangkok, wo der nächste Teil unserer Reise beginnt – immerhin, das Wetter soll
sich nicht großartig ändern…
Feuerwerk in Amritsar, im Hinteergrund der goldene Tempel
In den Straßen von Amritsar, zwar nicht wirklich voll, aber man kann gut erkennen, was sich dort alles drauf bewegt
Selfie mit dem Goldenen Tempel im Hintergrund - die Kopfbedeckung war aus religiösen Gründen eine Pflicht
Goldenen Tempel mit Blick von der Mauer
Mittagessen mit hunderten anderen Leuten
... mit Essensausgabe
... und nachher wurde das Geschirr komplett gereinigt
1 Km bis zur Grenze
Die Tribünen des Spektakels
Blick auf die Tribüne, links sieht man ein Mädchen beim Flaggenlauf
Der Moment der Grenzöffnung, die schwarzen Soldaten im Hintergrund sind Pakistaner
Natürlich darf bei aller Lächerlichkeit das Bild mit den indischen Helden nicht fehlen
Downtown Old Delhi, Verkehrsstau
Royal Enfield neben Rind, 2 verschiedene indische Fortbewegungsmittel
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