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13.10.14

Amritsar & Delhi



Nach einer längeren Tagesbusfahrt waren wir „endlich“ wieder zurück in der indischen Zivilisation. Motorenlärm, Kühe, Geruch, Rikshahs, Belästigungen, Chaos… alles hatten wir wieder. Schon komisch nach fast 2 Wochen in eher westlichen bzw. ruhigeren Plätzen Indiens. Amritsar war fast wie ein neuer Kulturschock. Der Verkehr schien teilweise sogar noch dichter bzw. rücksichtsloser zu sein als in den Städten zuvor… Egal, wir waren ja schon resistent ein wenig von den Erfahrungen zuvor.
Amritsar ist aufgrund des „Goldenen Tempels“ die Hauptstadt der Sikhs, einer Religion, die eine Mischung aus Hinduismus und Islam darstellt. Man erkennt die Sikhs daran, dass alle Männer mit stilvollen Turbanen durch die Gegend laufen, und das tat in Amritsar nun mal fast jeder Zweiter. Nach unserer Ankunft erfuhren wir direkt, dass am „Goldenen Tempel“ ein Fest zugunsten eines berühmten Sikhs inklusive Feuerwerk sei, also ab in die Stadt und zum Tempel. Die bereits vollen Straßen stopften sich vorm Tempel immer weiter zu und gut 500 m vorher war der Weg ein pures Chaos. Irgendwie schafften wir es aber ein kleines Restaurant mit Blick in Richtung Goldenen Tempel aufzutreiben, das uns typisches Punjab-Essen verkaufte. Punjab ist der Bundesstaat der Sikhs und das Essen dort extrem fetthaltig. Was wir bekamen war gefettetes Brot (mit Butter) zwei extrem fettige Saußen und einen Burger, dessen Brot komplett durchfettet war… hat trotzdem supergut geschmeckt, auch wenn ich bis zum nächsten Mittag dann nichts mehr brauchte… Achso Feuerwerk gabs dann auch noch!

Am nächsten Tag dann noch einmal Innenstadt Amritsar und auf genauere Erkundungstour zum Goldenen Tempel, der sich als wahrhaft riesig herausstellte. Auf dem rieisigen Innenhof innerhalb weißer Mauern stand der Tempel innerhalb eines künstlichen Sees in dem die Sikhs sich badeten bzw. reinwuschen. Angeblich sollen im Tempel 750 kg Gold verbaut sein. Während unseres 2-stündigen Rundgangs kamen wir auch an einer riesigen Essenshalle vorbei und bevor wir uns versahen hatten wir schon Teller und Löffel in der Hand. Im Nachhinein erfuhren wir, dass täglich über 30.000 Mahlzeiten bereit gestellt wurden – und das alles umsonst mit Hilfe von Freiwilligen. 

Nachdem uns der Tempel im positiven Sinne umgehauen hatte, fuhren wir weiter zum nächsten Highlight – der indisch pakistanischen Grenze, die nur 30 km entfernt war. Da es sich um den einzigen Grenzübergang zwischen den beiden verfeindeten Ländern handelte (4 Kriege in 60 Jahren und erst vor einigen Tagen ein paar Schusswechsel an einem anderen Grenzstreifen), war die Grenze natürlich etwas besonderes, nicht nur für uns, sondern ganz Besonders für die Inder selbst – denn jeden Abend wurden die Flaggen der beiden Ländern gesenkt, was natürlich nicht ohne entsprechende Parade geht – aber ein solches Spektakel hätten wir nicht erwartet…
Der ganze Spaß erinnerte mehr an ein Fußballspiel zwischen zwei Ländern. Vor der Grenze konnte man sich indische Flaggen kaufen bzw. sich diese aufs Gesicht malen lassen. Am Ort dann eine riesige Tribüne voll mit Indern (sowie etwas weiter in Richtung Grenztor Stühle und bessere Plätze für Europäer und andere VIPs). Pünktlich nach Ankunft ging das Spektakel dann los. Eingeheizt wurde das Publikum durch extrem übermäßig laute indische Popmusik (die im Übrigen genauso schlecht ist wie Popmusik aus dem Rest der Welt). Vor den Tribünen tanzten überwiegend indische Frauen, während Mädchen mit indischen Flaggen unter tösenden Applaus zum Grenztor und zurück rannten. Und das war nur die eine Hälfte – auf pakistanischer Seite spielte sich die  ganze Show wahrscheinlich genauso ab, auch wenn wir natürlich nichts sahen, da die andere Seite entfernter war als jeder andere Platz in Indien… Aber das war erst das Vorspiel…



Pünktlich zum Sonnenuntergang begann dann das Schauspiel, das sich über ungefähr eine Stunde hinzog. Bevor ich jetzt noch mehr schreibe, guckt lieber das Video, das ich auf Youtube gefunden habe – wer die Monty Pythons kennt, weiß genau, wo sich sowohl die indischen als auch pakistanischen Soldaten haben inspirieren lassen, selten so gelacht…
Nach dem riesigen Spektakel gings dann im Schlafbus mit super ungemütlichen dreckigen und engen Betten nach Delhi, wo wir dann gegen 6:00 von einem widerlichen Geruch (wahrscheinlich vom Fluss nebenan) geweckt wurden – ab in die nächste und letzte indische Stadt für uns Beide. Delhi ist unterteilt in Old Delhi und New Delhi. Old Delhi ist wie man sich denken kann der dreckigere und hektischere Part der Stadt, den wir an Tag 1 hinter uns brachten. Da wir den 11.10. zu unseren Hochzeitstag erkundet hatten (es gibt ja eigentlich 4 Möglichkeiten dafür…), gingen wir abends ganz gemäß Tradition fein Essen, was im Vergleich zu europäischen Verhältnissen saubillig, im Vergleich zu zuvor jedoch um einiges teurer war – und danach ab ins Kino – Bollywood !



Obwohl wir kein Wort Hindi verstanden, verstanden wir den Film „Bang Bang“ dennoch perfekt. Und ich muss sagen, vergesst Schwarzenegger und Stallone, die indische Variante ist um einiges besser – wenn man mal von den billigen Special-Effects absieht. Habe unterhalb auch nen Trailer des genialen Films gepostet. Naja, was soll ich sagen, der Film lässt sich wie eigentlich alle Bollywood Filme in keine Kategorie einordnen – eine Mischung aus Action, Comedy, Romanze, Drama, Musical (es gibt Leute, die nur für die Tanzeinlagen ins Kino gehen). Wer noch keinen Bollwood Film gesehen hat, einfach mal nach suchen, es werden im Jahr mehr Filme produziert als in Hollywood – die Inder sind verrückt nach solchen Filmen…
Unserem letzten Tag verschrieben wir den neuen Teil Delhis. Bereits nach unserer ersten Attraktion hielt uns ein Taxifahrer an, der uns für 100 Rupies (1,20 Euro) durch halb Delhi fahren wollte unter der Bedingung, dass wir in einen Souvenirshop hineinschauten. Naja, aus einem Shop wurden letztendlich drei und bevor er uns an der letzten Attraktionen rauslassen wollte, fragte er dann, ob wir noch einen Shop sehen würden – 10 Minuten später war die Taxifahrt dann komplett umsonst und uns war klar, warum wir in all die Läden sollten, naja, immerhin mussten wir nichts kaufen und uns lediglich den nervigen Leuten im Laden ergehen lassen, was uns fast super gelang. Trotzdem, komische Geschäftspraktiken, die die Leute hier vollführen. Abends geht es dann 2400 km zurück nach Dubai und dann ein paar 1000 Kilometer weiter in Richtung Bangkok, wo der nächste Teil unserer Reise beginnt – immerhin, das Wetter soll sich nicht großartig ändern…



Feuerwerk in Amritsar, im Hinteergrund der goldene Tempel

In den Straßen von Amritsar, zwar nicht wirklich voll, aber man kann gut erkennen, was sich dort alles drauf bewegt

Selfie mit dem Goldenen Tempel im Hintergrund - die Kopfbedeckung war aus religiösen Gründen eine Pflicht

Goldenen Tempel mit Blick von der Mauer

Mittagessen mit hunderten anderen Leuten

... mit Essensausgabe

... und nachher wurde das Geschirr komplett gereinigt

1 Km bis zur Grenze

Die Tribünen des Spektakels

Blick auf die Tribüne, links sieht man ein Mädchen beim Flaggenlauf

Der Moment der Grenzöffnung, die schwarzen Soldaten im Hintergrund sind Pakistaner

Natürlich darf bei aller Lächerlichkeit das Bild mit den indischen Helden nicht fehlen

Downtown Old Delhi, Verkehrsstau

Royal Enfield neben Rind, 2 verschiedene indische Fortbewegungsmittel

Abendessen am Hochzeitstag

Unsere letzte Touriattraktion in Delhi

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