Langsam werden wir beide „indienresistent“. Der tägliche
Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Nachdem wir die Höhlen von Ajanta gesehen hatten
ging es weiter mit Schrottbus (3 Stunden) und Nachtbahn nach Jabalpur, das wir
nachts um 3:30 erreichten. Die Hoffnung noch ein paar Stunden schlafend auf dem
Bahnsteig zu verbringen (normalerweise gleichen die Bahnhallen in Indien
riesigen Schlafsälen), wurde aber nach circa einer Stunde durch Sicherheitskräfte,
die hunderte von Leuten vertrieben, schnell zerstört. Wir dösten noch 2 Stunden
vor uns hin und gingen dann gegen 6:00 um ein Hotel zu finden.
Im Hotel dann
die erste Dusche nach 2 Tagen Schwitzen und weiter nach Jabalpur! Da die Stadt
keine großen Attraktionen bereit hielt, waren wir irgendwie der entsprechende
Ersatz, zumindest für die Lokalbevölkerung. Letícia konnte sich noch als
Inderin ausgaben, aber mich quatschten und starrten die Leute pausenlos an. Vielmehr als an anderen Orten wurde ich angequatscht
und ausgefragt. Die Top 3: Where are you from? What´s your job? What´s your
name? Fotos wurden natürlich ebenfalls gemacht, manchmal mit vorigem Fragen,
manchmal wurde einfach draufgehalten. Wir kamen uns vor wie eine Mischung aus
Indi-Popstar und Alien. Aber alles in allem eine interessante wenn auch andere
Erfahrung vor Ort.
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| Typisches Bild einer indischen Innenstadt (vielleicht etwas zu sauber) |
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| Hier mit etwas mehr Verkehr und Kuh |
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| Ein Festivalsumzug in Jabalpur für eine Gottheit, und wir mittendrin |
24 Stunden später ging es für uns dann weiter nach Khajuera,
eine Kleinstadt mit 1000 Jahre alten lange unentdeckten Tempeln im Norden der
Provinz Andhyra Pradesch. Dort das krasse Gegenteil von Jabalpur, Tourismus
pur! Die Tempel sind berühmt für die detaillierten Skulpturen, die
Darstellungen aus den leben in der damaligen Zeit zeigen. Naja, das Leben dort schien
für mich wirklich sehr interessant und ausschweifend gewesen zu sein. Zumindest
ist ein Großteil der Figuren weiblich und die Darstellungen wären definitiv zensiert, wenn nicht halt so alt und von kulturellem Interesse, seht dazu einfach die Fotos selber…
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| Ein Tempel von außen mit hunderten von eingravierten Skulpturen |
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| Die Skulpturen im Detail... |
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| noch mehr Details... |
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| ...zwischen Schock und Faszination |
Nachdem wir von der Mittagshitze und den Darstellungen doch
echt fertig waren, wurden wir von Mukesh, der uns unsere
Übernachtungsmöglichkeit, die Yogi Lodge, besorgt hatte zum Essen bei sich und
seiner Familie eingeladen. Eine superinteressante Erfahrung, mal ein Haus bei
Indern kennen zu lernen und ein wenig in das Leben einzutauchen. Logischerweise
war das Essen ebenfalls besser als in jedem Restaurant zuvor, auch wenn es mit
noch so einfachen Mitteln von Mukeshs Frau vorbereitet wurde.
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| Leticia und Mukeshs Frau bei der Zubereitung des leckeren Mittagessens |
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| Leticia kann glatt als Inderin durchgehen... mit Kleid, Henna und dem roten Punkt auf der Stirn |
Am Abend ging es für uns weiter im Schlafzug in Richtung
Varanasi direkt ins Herz der Stadt, zum Ganges, wo unser Hotel lag. Varanasi
ist für die Inder DIE heilige Stadt. Der Ort an dem die Leute zum Bad im Fluss
(Trotz 2500 facher Überschreitung des Grenzwertes für saubere Gewässer) und
Sterben (ein Sterbehaus war direkt neben uns) kommen, wo ein Hindu verbrannt
werden möchte um den Kreislauf von Leben und Sterben zu beenden. Also direkt in
die schmalen Gassen die sich über Kilometer durch die Altstadt zogen und nach
bereits 10 Min. waren wir geschockt. Überall Leute, Kühe, Hunde, Dreck, Leute,
die uns von überall ansprechen, und natürlich
alles voller Scheiße, Kuhscheiße, „heiliger Scheiße“. In der Luft ein Geruch
mit einer Mischung aus Toilette, Rauch und Leichengeruch, den direkt nebenan
war das Krematorium, direkt am Ganges, wo in aller Öffentlichkeit täglich 200 –
300 Leichen verbrannt wurden. Nach dem „Schock“ ging es weiter durch die Gassen,
wo wir wirklich fast überall konstant von den Leuten angequatscht wurden,
wahlweise auf Englisch, Spanisch, Deutsch oder Japanisch. „Hello, How are you“ „Come to my shop, just
looking, no buying“ “Hashisch”. Nach endlosen Kurzgesprächen kam dann am
Abend die Lösung auf die Fragereien: “Kein Englisch” oder “No Ingles“ mit
starrem Blick nach vorne. Am Morgen machten wir dann zur völlig unchristlichen
Zeit um 5:30 eine Bootstour um den Hindus bei den morgendlichen Baderitualen im
Ganges zuzusehen. Eine unvergessliche Erfahrung…
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| Der Ganges mit Blick von unserer Hotelterasse, unter uns das Krematorium |
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| Hindus beim Bad im Ganges in den fruehen Morgenstunden |
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| ..und in tiefer Meditation |
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| wir Beide auf dem Boot |
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| Dreck in den Gassen... |
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| Lassi in den Gassen von Varanasi, ein suesses Milchgetr | änk mit Schoko und Kokos, während draußen die Leichen durch die Straßen geführt wurden |
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| Die heiligen Kühe von Varansi |
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| Bildunterschrift hinzufügen |
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| Müll und Hund |
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| Heilige Kühe beim Bad |
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| Ratten auf dem Bahnsteig von Varanasi, an denen sich niemand zu stören schien, erst eine... später dann dutzende... |
Nachmittags sollte dann der Zug nach Gaya kommen, der
allerdings erst nach drei Stunden Verspätung ankam und dann noch eine Stunde am
Bahnhof stand. Mit fünf Stunden Verspätung kamen wir dann in Gaya an, wo wir
dann im mit Abstand dreckigsten Hotel, der Vishnu Lodge, übernachteten. Und das
nur, weil wir zu geizig waren 3 Euro mehr für ein besseres Zimmer auszugeben…
Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Bodhgaya, der
Ort an dem der Legende nach der Buddha 500 v. Chr. die Erleuchtung erlangte.
Der heiligste Ort der Buddhisten aus aller Welt. Tibeter, Japaner, Laoten,
Chinesen und jede Menge andere Nationen bzw. Glaubensrichtungen waren hier in
Form dutzender verschiedener Tempel vertreten. Es war schon ein kleiner
Unterschied in der Stadt in Gegensatz zu den Städten bevor, jedoch die erhoffte
Ruhe konnten wir auch hier nicht finden, es waren einfach viel zu viele Leute
vor Ort. Ein Ort der Ruhe war jedoch der Feigenbaum der Erleuchtung samt des
Tempelkomplexes, wo wir uns mehrere Stunden entspannten, bevor es dann wieder
zurück ins Chaos ging.
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| Der Baum des Buddha, im Hintergrund sein Tempel, ein Weltkulturerbe |
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| der butanische Tempel |
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| 25 m hohe Buddhastatue |
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| Voller Andrang zum Tempel |
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| Meditierende Mönche unter dem Baum |
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| Der Tempel im Abendlicht |
Nachts um 2:00 dann der Wecker, aufstehen und ab zum
Bahnhof. Von dort dann um 5:00 in den Zug, der falsche, wie sich nach einer
halben Stunde herausstellte. Aber kein Problem, wieder 2 Stunden warten, und
dann in den Zug nach Rishikesch, das wir 24 Stunden oder 1200 km später
erreichten, nach einer Monsterfahrt sind wir jetzt am Fuße des Himalayas.
Da das Hochladen der Fotos einige Zeit in Anspruch nimmt
hier wieder das Angebot euch mehr Fotos zukommen zu lassen, schreibt einfach
kurz ne Nachricht…
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