Übersetzter / Traductor / Translator

07.11.14

Kambodscha – Angkor Wat und die Roten Khmer



Anstatt über unsere Reiseerfahrungen in Kambodscha zu berichten, hier ein kurzer Bericht zu Kambodscha bzw. die Geschichte dieses extrem armen und korrupten Landes. Laut unserem Reiseführer kann man diese auch als „The Good, the Bad and the Ugly“ zusammenfassen.

„Good“, das war die glorreiche Vergangenheit, das Khmer-Reich, das vor über 1000 Jahren hier gegründet wurde und weite Teile Südostasiens beherschte. Die Khmer, die die größte Bevölkerungsgruppe in Kambodscha darstellen, blicken heutzutage noch mit Stolz auf diese Zeit zurück. Sinnbild hierfür sind die Ruinen der Templelanlagen von Angkor Tom und AngkorWat, die während der ca. 600 Jahre lange dauernden Geschichte dieses Reiches entstanden.
Angkor Wat ist auf der Flagge Kambodschas zu sehen, jeder Geldschein hat Angkor Wat als Symbol und sogar das größte Bier heißt hier Angkor Wat. 

An unserem ersten Tag  besichtigten wir das „Heilgtum“ dieses Landes. Alle folgenden Fotos zeigen die gewaltigen Bauwerke,. Von Sonnenaufgang morgens um 5:30 am Haupttempel Angkor Wat bis zum späten Nachmittag zogen wir uns einen Tempel bzw. eine Ruine nach der anderen rein und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Titel „8. Weltwunder“ scheint völlig gerechtfertigt, wenn man betrachtet, dass eine so alte Zivilisation mitten im Urwald solche Bauwerke errichtete, die nach dem Untergang des Khmer Reiches über Jahrhunderte unentdeckt blieben. Gerade dieser Aspekt machte diesen Ort noch magischer, denn die Natur nahm dafür ihren Platz ein. Beeindruckende Bilder waren überall zu sehen, Bäume, die durch ihr Wachstum Mauern zum Einsturz brachten und riesige Steine unter sich begruben, Pflanzen, die jegliche Teile der Tempel bedeckten und Fledermäuse, die in jeder dunklen Ecke hausten. Der Tag, an dem wir bei extremer Hitze mit dem Taxi alle Tempel entlang fuhren forderte uns sowohl physisch und psychisch vieles ab, trotzdem der absolute Wahnsinn…

Mit dem Untergang des Khmer-Reiches begann allerdings der „Bad“ bzw. schlechte Teil der Geschichte, denn die folgenden Jahrhundet bis nahezu in die Gegenwart wurde Kambodscha von fremden Nationen beherrscht und unterdrückt. Erst die Thais und die Vietnamesen, zu denen die Leute hier noch immer ein sehr angespanntes Verhältnis haben (O-Ton Taxifahrer: „Seid vorsichtig im Süden, dort rennen viel Vietnamesen rum, die klauen eure Sachen). Im letzten Jahrhundert dann die Franzosen und letztendlich wurde Kambodscha ähnlich wie Laos in den Vietnamkrieg mit einbezogen, inklusive Flächenbombardements, zahlreiche Minen sowie CIA Intrigen, die zum Sturz der neutralen Regierung führten.

Und hier begann der „Ugly“ Teil der Geschichte des Landes mit der gewaltsamen Übernahme der „Roten Khmer“, der Kommunisten, die von 1975 bis 1979 eine vierjährige Schreckensherschaft begannen.

Was in diesen vier jahren passierte, kann nur unter dem Attribut schrecklich zusammengefasst werden. Hier eine kurze Zusammenfassung der Ideen bzw. der Ideologie, einer extremen Auslegung des Kommunismus.
Ungefähr 2 Millionen Menschen bzw. ca. 30 % der Gesamtbevölkerung wurden in den 4 Jahren gefoltert und getötet bzw. starb an den Folgen von Krankheit und Unterernährung. Die Regierung festige ihre Macht durch die völlige Isolierung und den Abbruch aller Beziehung bzw. der Schließung aller Grenzen. Die Bevölkerung wurde vereinfacht unterteilt in Stadt- und Landbevölkerung. Die Stadtbevölkerung musste innerhalb kürzester Zeit aus den Städten fliehen und auf dem Land beim Reisanbau mitzuhelfen; die sogenannten Arbeiterlager lassen sich am Einfachsten mit Gulags bzw. Konzentrationslagern vergleichen. Die Hauptstadt Phnomh Phenh wurde innerhalb 48 Stunden komplett evakuiert, wer noch blieb wurde erschossen. Intellektuelle (als intellektuell galt, wer eine Brille trug oder lesen und schreiben konnte) wurden in Gefängnisse gefoltert um Geständnisse über weitere Kollaborateure zu erzwingen, was logischerweise zu immer weiteren „Verdächtigten“ führte. Ein System entstand, das so weit ging, dass in den kommenden Jahren großer Teile der eigenen Führung selbst als Verdächtigte „identifizierte“. Letztlich schien es, dass man in kaum einer Position sicher sein konnte, weder als „Sklave“ noch als „Herrschender“, ein in der Weltgeschichte unvergleichbares Phänomen. Im Gegensatz zu anderen Genoziden (Deutschland/Juden, Türkei/Armenier, Ruanda/Tutsi, …) war es kein Ziel  eine Minderheit „auszurotten“, vielmehr war es ein Genozid an der eigenen Bevölkerung geschuldet an der Paranoia einer völlig korrupten und überforderten Elite.
Symbole des Verbrechens war unter anderem ein ehemaligeGefängnis, an dem die Leute zu „Geständnissen“ gezwungen wurden um dann anschließend auf den „Killings Fields“ erschlagen zu werden.
Der gleichnamige Film aus dem Jahr 1984 fasst diese Ereignisse sehr beeindruckend zusammen, der erst dazu führte, dass der Westen überhaupt etwas über diese Jahre erfuhr.

Da wir uns nach den Erfahrungen in Angkor Wat nach Strand sehnten ließen wir die Besichtigung dieser zwei Orte aus, was sich im Nachhinein vielleicht als Besser herausstellte, denn, so berichteten uns andere Reisende, die Aufarbeitung der Ereignisse ist in Kambodscha doch etwas anders als in Europa. Auf den Killing Fields kann man noch immer tausende von Schädeln und Skelette begutachten, die teilweise aufeinandergetürmt „ausgestellt“ wurden… 

Naja, mittlerweile ist diese dunkle Kapitel Vergangenheit, aber es fällt halt auf, wenn man durch das Land reist. Heutzutage ist das Land zwar offiziell eine Demokratie, die jedoch seit über 20 Jahren von derselben Partei regiert wurde… Angeblich sind auch immer noch Teile der ehemaligen Elite in die Regierung involviert. Eine Aufarbeitung der Ereignisse der Diktatur hat es erst in den letzten Jahren gegeben, der ehemalige Diktator Pol Pot starb in Kambodscha eines natürlichen Todes. Im Korruptionsindex liegt Kambodscha auf Platz 3 weltweit, was sich für uns auf beinahe jeder Taxifahrt, vielen Einkäufen und besonders beim Grenzübertritt (38 $ statt der offiziellen 20 $) bemerkbar macht. Ob sich das Land in eine vernünftige Richtung entwickelt, ist sehr zweifelhaft. Die Insel, auf der ich dies gerade schreibe, wurde für 200 Millionen Dollar an russische Investoren verkauft. Angkor Wat, das Nationalsymbol, ist in Besitz einer vietnamesischen Gesellschaft und in den Städten fahren teilweise modernere Autos als in Europa, in einem Land, wo 70 % der Leute von 2 Dollar am Tag leben.









04.11.14

Ein Tag auf Don Det



Don Det ist eine der wenigen bewohnten Inseln der „4000 Islands“ auf dem Mekong am äußersten südlichen Zipfel von Laos. 4000 Inseln ist vielleicht etwas übertrieben, aber wenn man jeden noch so kleinen Erdhaufen mitzählt, der in dieser Gegend aus dem Mekong ragt, dann kann es schon hinkommen. Da die Möglichkeiten auf einer Insel äußerst limitiert sind (besonders auf Don Det, das aus einem Dorf mit einer Straße besteht und nur ca. 3 km lang ist), hier ein kurzer Ausschnitts der spannendsten Szenen unseres Tagesablaufs:

12:30: Ankunft irgendwo am Rande der Insel, weit weg von irgendeinem Haus, der Bootsmann gibt uns ein Zeichen, in welche Richtung wir zu einem Guesthouse gehen könnten

12:40: Erreichen einige Bungalows direkt am Ufer, die uns sehr gefallen. Leider ist weit und breit niemand, obwohl das Geschirr noch ungewaschen in der Küche steht. Der Kühlschrank mit Bier ist auch abgesperrt.

12:55 Da immer noch niemand kommt, gucke ich weiter, nach weiteren 5 Minuten finde ich die nächsten Bungalows, die mir aber zu beschäftigt sind, nach all den Krach der letzten Tage (Moped und so) suchen wir ja etwas Ruhe

13:15 Der Besitzer kommt, verhandeln über den Preis und 5 Minuten später liegen wir in den Hängematten vorm Haus

13:25 Bestellung 1. Bier

13:35 Bier kommt, selbstverständlich eisgekühlt

13:40 Ein Boot mit Touristen fährt weniger Meter von uns vorbei

14:00 Wir geben eine Bestellung für eine Pizza und ein Sandwich auf

14:30 Ein weiteres Boot mit Touristen fährt an uns vorbei, wenige Minuten später laufen einige Schulkinder am Weg vor uns vorbei, dann wieder Ruhe…

14:40 Das Essen kommt, prächtig zubereitet. Dazu bestellen wir ein weiteres Bier, das nur ganze 3 Minuten später kommt

15:40 Am Horizont sind dunkle Wolken, jedoch scheint die Sonne weiter, als es aus dem Nichts beginnt extrem laut zu donnern…

16:30 Die Wolken stehen über uns und es beginnt heftigst zu gewittern. Während ich eine Dusche vorm Haus nehme, verzieht sich Leticia in das Zimmer

18:00 Es wird dunkel, der Regen hält an, kurz danach schlafen wir Beide ein. 

Am nächsten Morgen gegen 8:00 beginnt der 2. Tag der sich bis auf den Ausflug auf Fahrrädern ins Dorf nicht großartig vom ersten unterscheidet…. Tranquiiiiilo nomas

Unsere Fähre nach Don Det inkl. Anleger

Mit dem Rad unterwegs... rechts und links Reisfelder

Blick vom Bungalow auf die Nachbarinsel

Blick auf unsere Insel auf der Rückfahrt

Bungalows von Weitem

Einige der 4000 Inseln

Bolavan Plateau – Motorbike Diaries



Ab in den Süden von Laos – ab aufs Plateau, ab ins Outback… Nur wie? Busse fahren hier nur ein bis zweimal täglich – und auch nur zwischen den „Städten“ oder besser gesagt Ansiedlungen. Da gibt es natürlich keine bessere Möglichkeit als sich eine Honda 100 cc für täglich umgerechnet 5 Ocken auszuleihen und damit die Straßen entlang zu üsen. Dadurch bekam für uns die Bedeutung von Freiheit eine völlig neue Rolle, jetzt waren wir jederzeit frei dort zu starten oder zu stoppen, wo auch immer wir wollten. Also, ab ins „wahre“ Laos, weg von den Touriströmen und Souvenirständen...
Bereits nach wenigen Kilometern immer wieder die selber Reaktion der Einheimischen am Straßénrand, besonders der Kinder. Lachend und winkend starrten Sie uns an, während wir vorbeirasten, mehr Zeit als für eine „Saqbadi“  (= Hallo) gab es kaum, da wir sonst unsere Tagesziele wohl nie erreicht hätten. Und jeder Halt außerhalb des Schattens bedeutete für uns puren Schweiß, so heiß war es (zumindest während der ersten drei Tagen unserer Reise, wo bereits eine Minute außerhalb des Motorrads ausreichte um die Sitze in eine Herdplatte zu verwandeln.)

An Tag 1 unserer Reise schafften wir es in ein Dorf, wo wir uns einen Bungalow direkt mit Blick auf einen wunderschönen Wasserfalls einmieteten. Am Nachmittag ging es dann zu einer weiteren Tour zu einem weiteren Wasserfall (100 m freier Fall) mit einem Blick über das gesamte Plateau – der Wahnsinn, zumal die Reise entlang einiger Dörfer sich wie eine Zeitreise anfühlte.

Ab auf die Piste und Staub lecken

oben genannte winkende Kinder am Straßenrand

der Wasserfall am ersten Abend, drei Schritte weiter...

... und es geht so tief nach unten

Dorf irgendwo im Nirgendwo

Blick aus unserem Bungalow




Tag 2 führte uns nach Attapeu, der  Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks im äußersten Südosten von Laos, der durch seine Grenznähe angeblich eher vietnamesisch als laotisch war. Außer dem Fehlen der buddhistischen Tempel fiel uns dies jedoch kaum auf. Ebenfalls war dies die Gegend, in der der Vietnamkrieg so hart wie kaum an einem anderen Ort wütete, da hier der „Ho-Chi-Minh-Pfad“ der Vietkong verlief, der von den Amerikanern mit aller Härte bombardiert war. Wir mussten aber ebenfalls feststellen, dass die Natur die Wunden der Vergangenheit großenteils wieder geheilt hatte mit Ausnahmen von tausenden Blindgänger, die wohl irgendwo im Dschungel versteckt waren. Bei unserer Ankunft in Attapeu am Abend dann die böse Erkenntnis, das beinahe die ganzen Hotels der Stadt ausgebucht waren, warum konnten wir uns absolut nicht vorstellen, da die Stadt alles andere als schön und eine Touristenattraktion darstellte. Wie wir später herausfanden, waren ein Großteil chinesische Geschäftsleute, die eine Art Marmor kauften, der in dieser Gegend wohl häufig anzutreffen sei.... Sachen gibt´s!

Eindrücke von der Mopedpiste...




Und die Belohnung für die Stopps am Straßenrand inkl. minutenlanger Suche...


Weiter ging es an Tag 3 nach Paksung – der Hauptstadt des laotischen Kaffeeanbaus, ein exzellentes Gebräu ... Ein Großteil des Zeugs wird nicht industriell, sondern von Kleinbauern angebaut, und dann über Kooperativen in den Rest der Welt verkauft, Fair Trade richtig praktiziert. Aber auch auf der heutigen Etappe war es wie an eigentlich allen Tagen – große Attraktionen gab es nicht zu sehen, der Weg war eher das Ziel und die Hauptattraktionen grüne Landschaften, wunderschöne Dörfer und an fast jeder Ecke winkende Kinder.

Kaffee und der von den Bauern dazugehörige Nachwuchs

Private Kaffeeplantage

Neu gegründerter Verkaufsstand einer Kooperative, best Kaffee ever


Am letzten Tag dann der Rückweg zurück nach Pakse. Entlang zweier gigantischer Wasserfälle, die wir mal eben so mitnahmen, ging es dann bergab von nahezu 1200 m auf nahezu Meereshöhe… als wir mittags den Mekong erreichten war es außerhalb des Schattens kaum auszuhalten, wenn wir nicht mindestens 50 km/h auf unseren Tacho hatten. Auf der anderen Mekongseite schauten wir uns die Wat Champasuk Tempel an: 1500 Jahre alte Ruinen, die am Berghang liegend von der Natur umwuchert einen schönen Blick über das Mekongtal bildeten und mittlerweile Weltkulturerbe darstellen… Das während des Besuchs aufkommende Gewitter erfrischte uns zudem… nur blöd das wir dann noch 30 Kilometer durch teilweise strömenden Regen zurücklegen mussten – aber auch das machte irgendwie Spaß, zumal wir danach endlich wieder „Back to civilisation“ waren. Am nächsten Morgen ging es dann weiter zu den „4000 Inseln“, wovon ich im kommenden Post ein wenig berichte.

Na, wer findet die Schlange im Bild

Laos höchster Wasserfall (120 m)

Tankstelle in Laos

Überfahrt über den Mekong bei brütender Hitze

Die wohl beste schrägste Treppe, die ich je gesehen habe


Aussicht ins Mekongtal


Die über 1000 Jahre alte Tempelanlage


... Und zum Abschluss noch das Klischeefoto aus Südostasien